04.02.17 Fast Kiwis

 

Okarito

Nein, wir fühlen uns noch nicht wie Kiwis und denken auch nicht ans Auswandern. WIR  sind nicht die „fast Kiwis“, sondern wir haben fast Kiwis gesehen – leider nur fast. Aber der Reihe nach …

Heute ist ein „Fahr-Tag“, sprich: wir haben ca. 450 km zurückzulegen. Aber das Motto heißt heute „der Weg ist das Ziel“, denn die Route, die wir heute vorgesehen haben, hat es landschaftlich in sich! Wir verlassen Twizel zeitig am Morgen in Richtung Wanaka. Die Landschaft, durch die wir fahren, ist unvergleichlich. Wellige, hügelige Schafweiden – nicht in saftigem Grün, sondern in einem sonnenverbrannten Gelb – werden von Bergen gesäumt, die in der Zeit vor den Siedlern sicher einmal bewaldet waren, heute aber völlig kahl daherkommen. Immer wieder fließt ein wild mäandernder Fluss neben uns her. Es gibt zig Kilometer weit keine Kreuzung – unsere Straße zielt völlig einsam durch die menschenleere Gegend.

Am Vormittag noch erreichen wir Wanaka. Hier waren wir 2012 auch schon durchgekommen und hatten dort gepicknickt. Diesmal dient uns der „Boxenstopp“ zum Besuch eines Internetcafés, denn uns ist nicht klar, ob wir in Okarito Wi-Fi haben werden.  Andrea nutzt die Zeit, um ein Foto zu schießen, das sie 2012 versäumt hatte aufzunehmen. Hier ist es:

Gegen Mittag machen wir uns auf die wunderschöne Straße von Wanaka über Haast nach Okarito, unserem nächsten Etappenziel. Entlang der Gletscherseen Lake Haweka und Lake Wanaka gibt es immer wieder Aussichtspunkte am Seeufer. Viele von ihnen steuern wir an und das eine oder andere Foto wird geschossen. Diese Seen liegen in einer Landschaft, die nun viel lieblicher ist als die zuvor in South Canterbury. Hier in Otago ist der eine oder andere Hang auch bewaldet und die Weiden werden zunehmend grüner. Die Berge im Hintergrund sind über 3000 m hoch. Wir kommen den Südalpen wieder näher. Es ist tatsächlich ein Genuss, hier Auto zu fahren. Die Zeit vergeht wie im Flug und Kilometer um Kilometer verschwindet unter den Rädern.

Als wir 2012 hier entlanggefahren sind, hat es ab Wanka nur geregnet. Ich glaube, wir haben von der uns umgebenden Schönheit des Mount Aspiring National Parks damals fast nichts mitbekommen. Jetzt lassen wir uns von den grandiosen Ausblicken beeindrucken und auch ein wenig verzaubern. Nach einigen weiteren Kilometern 😉 kommen wir an den Haast Pass, der sich am Haast River entlangschlängelt. Der Pass ist erst in 1960-er für Autos befahrbar geworden und erst seit den 1990-ern asphaltiert. Heute ist es eine sehr gut ausgebaute, ganz bequem befahrbare Pass-Straße mit wunderschönen Ausblicken auf den ungezähmt daher fließenden Haast River. Bei einem Foto-Stopp fangen wir uns mindestens 100 Sandflies ein. Mistige kleine Mücken, die beißen, was ganz schön juckt und weh tut.

Und dann kommen wir an die legendäre Westcoast, Neuseelands wilde Küste mit Regenwald, Gletschern, Flüssen und fast menschenleer. Der sicher überstrapazierte Begriff „Traumstraße“ darf hier – glaube ich – ruhig verwendet werden. Und heute zeigen sich sogar die Dreitausender von ihrer besten Seite. In strahlendem Weiß, thronen ihre schneebedeckten Gipfel über den Grüntonreihen des Regenwaldes. Unglaublich!

Die Aussichtspunkte an der Coast sind da nur die Sahnehäubchen: die Brücke über den Haast, der Knights Point Lookout, die Bruce Bay. Überall verweilen wir einige Minuten, um nicht einfach die Strecke „durchzubrettern“, sondern sie wirklich zu genießen.

Schließlich kommen wir kurz nach 18:00 Uhr in Okarito an, einem kleinen Ort am Meer (30 permanente Einwohner, ein paar Ferienhäuser, kein Laden, kein Restaurant, keine Infrastruktur – nur Ruhe und Idylle). Unser über Air B&B gebuchtes Haus (Unique Wooden House) ist der Hammer! Ein schnuckeliges kleines Holzhaus, liebevoll hergerichtet und sehr gut ausgestattet strahlt es eine große Behaglichkeit und Gemütlichkeit aus. Die Vermieterin, Laura – eine Schottin, die hier seit 8 Jahren lebt- ist unheimlich freundlich und empfängt uns sehr herzlich. Wir fühlen uns vom ersten Moment an sehr wohl.

Und dann kommt unser Abendprogramm. Wir wollen die seltenste Kiwi-Art in freier Wildbahn beobachten, den Okarito brown Kiwi. Es gibt nur noch 440 Exemplaren von dieser Spezies. Tobi unser Guide gibt uns zunächst eine Einführung ins Thema bevor wir in den Wald fahren. Dor üben wir das leise Gehen und einige „Beobachtungstechniken“. Erinnert mich insgesamt ein wenig an meine Bundeswehrzeit ;-)). Die mit Peilsendern ausgestatteten Tiere werden geortet, was noch lange nicht heißt, dass die scheuen Exemplare auch aus dem Busch herauskommen und sich sehen lassen. Drei Anläufe bringen uns zwar nah an sie heran und wir hören sie rufen, hören sie Gehen und Scharren, aber zu Gesicht bekommen wir sie nicht – unsere drei „fast Kiwis“. Um 1:30 gibt der Guide auf. Wir sind froh bald ins Bett zu kommen und die Enttäuschung hält sich in Grenzen.

 

 

 

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